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Podiumsdiskussion am 27. 01. 2012 bei der BRN GmbH


Die dritte Podiumsdiskussion aus der Reihe UNTER STROM stand unter dem Motto „Fahrt in die Zukunft“ und rückte das Thema Elektromobilität ins Visier.



Passend zum thematischen Rahmen war schließlich auch der räumliche: in der Werkstatt der BRN GmbH, inmitten von roten Bussen, stand das Podium, auf dem die fünf geladenen Kandidaten aus Politik, Forschung und Wirtschaft Platz nahmen, um ihre Standpunkte zu diskutieren.
Nach einer herzlichen Begrüßung und einer informativen Vorstellung der Örtlichkeit und der DB Regio durch den Gastgeber Dr. Alexander Pischon, war der Weg frei für den Moderator Prof. Dr. Liesegang, dem Geschäftsführer von UKOM e.V. Einleitend führte er den Gästen vor Augen, dass die Elektromobilität keinesfalls ein neues Thema ist. Bereits vor hundert Jahren fuhren Taxen in europäischen Städten elektrisch. Dennoch ist heute alles anders und die Frage stellt sich, was in Zukunft elektro-mobil passieren wird?
Den ersten Einblick in Mythen, Erkenntnisse und Herausforderungen der Elektromobilität bot in seinem einleitenden Vortrag Prof. Dr. Knie vom Innovationszentrum für Mobilität und gesellschaftlichen Wandel. Durch seine sozialwissenschaftliche Sicht fragt er nicht nur nach den erforderlichen Elementen des E-Autos, sondern auch nach den Ansichten und Einsichten der Kunden zu diesem Thema.  So gibt Prof. Dr. Knie zu bedenken, dass allen positiven Ausgangsüberlegungen der Nationalen Plattform Elektromobilität zum Thema Nutzerakzeptanz zum Trotz, die empirischen Ergebnisse aus dem Jahr 2012 ein gänzlich anderes Bild zeichnen. Autonutzer wollen doch nicht -wie erhofft- mehr Geld für ein Elektroauto als für ein konventionelles Auto ausgeben. Auch die technische Qualität reicht bei Weitem (noch) nicht für einen Routinebetrieb aus. Das E-Auto kann damit nicht mit konventionellen Autos konkurrieren. Soll es aber auch nicht! Dieses techniksoziologische Paradox, so Prof. Knie, fordert ein Umdenken. In den Köpfen muss sich verankern, dass zukünftig Verkehrsmittel schlichtweg anders genutzt werden müssen als bisher. Der Einstieg in die intermodale Verkehrspraxis und der Ausbau einer integrierten Verkehrsstruktur mit ausgefeilten Systemdienstleistungen wird dabei durch die E-Autos erleichtert. Kritisch merkt er jedoch an, dass es in Deutschland höchste Zeit für eine neue Innovationskultur ist. Neue Technologien müssen schneller vom Endkunden getestet werden können, sonst vergeht wertvolle Zeit.
Auch andere namhafte Experten widmen sich bei dieser Veranstaltung diesem immer wichtiger werdenden Thema.
Dr. Pischon verweist auf die wirtschaftlichen Überlegungen. Innovative Technologie ist vorhanden, ebenso fahren bereits Hybrid-Busse und Brennstoffzellenbusse auf deutschen Straßen, dennoch bleibt der Kostenfaktor eine zentrale Frage eines Busunternehmens. Der Busverkehr muss sich in einem starken, internationalen Wettbewerb behaupten. Um ökologische und ökonomische Aspekte vereinen zu können, bedarf es daher Subventionen. Ansonsten verbleibt die innovative und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Technologie in den Forschungsstuben und kann sich nicht in der Praxis bewähren.
Der Verkehrspolitische Sprecher der Grünen im Baden-Württembergischen Landtag bekräftigt, dass im Landeshaushalt hohe Summen für den Ausbau der Elektromobilität vorgesehen sind. Augenmerk wird dabei auch auf die Etablierung von Dienstwagenflotten gelegt. Gleichzeitig wird der öffentliche Personennahverkehr nicht aus den Augen verloren. So sieht der Koalitionsvertrag mit der SPD vor, dass Dörfer zumindest im ein Stunden Takt erreichbar sind. Bei all diesen Überlegungen, welche Elemente letztlich gefördert werden müssen, ist  ein erweiterter Blick ratsam, schließlich sind Energieerzeugung und innovative Verkehrskonzepte weitere Pfeiler für ein funktionierendes System Elektromobilität.
Christian Specht sieht als Kommunalpolitiker und Vorsitzender des Zweckverbandes Verkehrsverbund Rhein-Neckar vornehmlich die Städte als Wegbereiter der Elektromobilität an. Durch eine enge Zusammenarbeit der Städte kann die E-Mobilität einen überaus sozialen Aspekt beinhalten. Denn intelligente Verkehrskonzepte und innovative Mobilitätsdienstleistungen tragen zur Steigerung der Lebensqualität in den Ballungsgebieten bei. Die Metropolregion Rhein-Neckar zeigt durch die Teilnahme an 66 E-Mobilitätsprojekten, wie wichtig ihr das Thema ist. Nun geht es darum, innovativen Entwicklungen auch für den Nutzer attraktiv zu machen. Da Attraktivität jedoch nicht über Verbote und Abgaben erreicht werden kann, gilt es, durch intelligente Angebote zu überzeugen.
Für Matthias Wörner von der MVV Energie GmbH ist eines klar: Wer A sagt, muss auch B sagen. D.h. wer die Energiewende will, muss auch die Elektromobilität ausbauen. Gerade das steuerbare Aufladen der E-Autos liefert einen wichtigen Baustein für den Ausbau der Erneuerbaren Energien. Unser mobiles Leben wird grün. Modellversuche wie das Future Fleet Projekt in Zusammenarbeit mit der SAP AG sind wichtige Schritte in eine nachhaltige Zukunft. Neu dabei ist, dass zum ersten Mal unterschiedliche Branchen zusammenarbeiten, um diesem Ziel näher zu kommen. Doch wir sind auf dem richtigen Weg.
Mit diesem durchaus optimistischen Ergebnis verabschiedete Prof. Dr. Liesegang die Podiumskandidaten und Gäste, die am Buffet noch über die ein oder andere Herausforderung in Sachen Elektromobilität rege weiterdiskutierten.