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 Auf kleinem Raum mit voller Kraft voraus

Lothar Keck ist nicht das, was man einen unverbesserlichen Optimisten nennt. Er spricht zuerst einmal artig von Schulden, besser, von riesigen Investitionen in die Idee und davon, dass sich alles erst amortisieren müsse. Dennoch muss er zugeben, dass die Aussichten für sein Unternehmen besser kaum sein könnten.

Ein Kraftwerk in Miniformat

Keck ist einer von zwei Geschäftsführern der Firma "ergion", einem Start-Up, das sich auf dem Mannheimer Alstom-Gelände einquartiert hat. Gerade hat die Firma den Existenzgründungspreis der Quadratestadt eingeheimst. Die Spezialität des Hauses: Innovative Lösungen für thermodynamische Energieproduktion. Es ist zwar nichts grundlegend Neues, was sich die beiden Gründer Robert Sack und Orestis Terzidis ausgedacht haben. Es hat aber grundlegend neue Dimensionen: viel kleinere nämlich. Es geht um ein thermisches Mikrokraftwerk, das mit Sonnenenergie, Biomasse und Abwärme funktioniert. Obendrein kann es die produzierte Energie speichern. Mit dem Aggregat kann Strom, Nutzwärme und Nutzkälte produziert werden, kurz: Alle Arten von Energie, die man braucht.

Sonne und Biomasse als Basis

Vor vier Jahren wurde bereits der erste Funktionstyp entwickelt. Das Prinzip: Die Energie einer Wärmequelle wird genutzt, um daraus Dampf zu erzeugen, der eine kleine Turbine antreibt um daraus Strom, Wärme und Kälte zu produzieren. Die Primärenergie stammt aus umweltfreundlichen Quellen wie der Sonne, Biomasse oder Abwärme. Das Besondere: Während herkömmliche Anlagen meist sehr groß sind und außerdem hohe Dampftemperaturen benötigen, genügt dem Modell von "ergion" ein Sonnen-Kollektorfeld von wenigen hundert Quadratmetern. Außerdem kann die Anlage mit Niedertemperaturen betrieben werden, also bei Temperaturen zwischen 120 und 220 Grad Celsius.

Effektive "Resteverwertung"

Deshalb ist das kleine Kraftwerk sogar in der Lage, aus der Abwärme anderer Energieprozesse noch Energie herauszuholen. Es kann also nicht nur Strom an jedem Ort der Welt produzieren, sondern auch den Wirkungsgrad von herkömmlichen Industrieanlagen oder Produktionsprozessen erhöhen, indem es die Energien, die sonst wirkungslos verpuffen würden, nutzt.

Spezielle Software entwickelt

Dass die Anlage gleichermaßen mit Dampf, Biomasse oder Biogas funktioniert, verdankt sie einer speziellen hochkomplexen Software, die das Unternehmen selbst entwickelt hat. "Darauf sind wir wirklich stolz", sagt Keck. Der Hauptanteil an der Entwicklungsarbeit entfiel auf Orestis Terzidis. Der Mann ist hinreichend qualifiziert für den Job: Er leitet derzeit eine der maßgeblichen Forschungsabteilungen des Softwaregiganten SAP. Die Ingenieursarbeit hingegen ist Sache von Robert Sack. Der ruhige, zurückhaltende Tüftler ist sozusagen der Überzeugungstäter in der Firma. Denn, so sagt er, ihm war es seit er sich erinnern kann wichtig, saubere Energie zu produzieren.

Attraktiv für abgelegene Orte

Mit der Lösung von "ergion" scheint das selbst in entlegenen Gebieten möglich. Egal, ob eine Forschungsstation an weit entfernten Orten mit Energie versorgt werden soll oder ein abgeschiedenes Dorf eine Energiequelle benötigt, - "das Mikrokraftwerk stellt sehr geringe Anforderungen an die Infrastruktur, braucht wenig Platz, ist unempfindlich und leicht zu bedienen", verspricht Keck.

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